Irrtümer bezüglich Seelenverwandtschaft

Wenn Leid an dein Leid rühret,
Wenn Weh auch dich verletzt,
Wenn Wahrheit dich erweichet,
Komm zu mir jetzt!
Nie war ich je so einsam,
Trüber nie war mein Sinn.
Mein wehes Herz pocht rasend,
Um dich welkt’s hin.
Emily Bronté

Symbiose – der symbiotisch gebundene Mensch

Einen interessanten Text, der die stattfindende symbiotische Verbindung, die oft und fälschlicherweise als Seelenverwandtschaft interpretiert und auch empfunden wird, beschreibt, fand ich auf der Webseite des Wilhelm Griesinger Institutes für Psychotherapie und Psychosomatik. Es geht in diesem Text um neue Thesen zur Borderline-Problematik, der Autor nennt es Symbiosekonzept.

Darin wird erläutert, wie die frühkindliche Bindung durch ein übermächtiges Elternteil das Kind nie aus der Symbiose und hinein in ein eigenständig bestimmtes Leben entlassen hat. Das trägt zu Störungen im späteren Leben bei, diese Störungen wiederum entsprechen dem Symptomekomplex der Borderline-Störung nach Kernberg. Oder anders ausgedrückt: der symbiotisch gebundene Mensch zeigt Verhaltensweisen wie sie von der Borderline’schen Störung bekannt sind, aber die dazu führende Psychodynamik dahinter ist eine andere.

Einerseits wird die Symbiose mit einem anderen Menschen mehr als alles andere angestrebt und ersehnt, doch führt dies in späterer Folge zu Aggressionen gegen genau diese Person. Die angestrebte und erlebte Nähe führt dazu, dass der symbiotisch gebundene Mensch die nicht aufgelöste (pathologische) Bindung zu einem Elternteil bedroht fühlt. Die tief sitzende archaische Wut und die Abwertungen richten sich dann gegen den geliebten Menschen. Im wesentlichen zeigt der symbiotisch gebundene Mensch frühkindliches (infantiles) Verhalten, das im fortschreitendem Erwachsenenalter zu starken Spannungszuständen führt.

Ich zitiere von der Webseite des Wilhelm Griesinger Institutes einen Absatz, der mir besonders wichtig im Zusammenhang mit dem irrtümlichen Erleben einer Seelenbegegnung steht:

„Das Streben nach symbiotischer Verschmelzung ist umfassend und so elementar, daß es in der Regel an der Realität scheitert und Enttäuschungen auftreten. Der symbiotisch gebundene Mensch reagiert auf diese Frustration mit einer Kränkungshaltung und häufig mit Aggressivität. Mit Hilfe aggressiven Schweigens oder eines Jähzornanfalls oder anderen aggressiven Verhaltens soll die ursprüngliche symbiotische Einheit wiederhergestellt werden. Die Wut des enttäuschten Kindes, das eine allgegenwärtige und umsorgende Mütterlichkeit vermißt, richtet sich im Erwachsenenleben gegen andere oder gegen sich selbst. Sie entspringt in beiden Fällen infantilen, symbiotischen Verschmelzungswünschen und dem Impuls nach Rache an einer enttäuschenden Realität.“

zur Webseite des Wilhelm Griesinger Institutes

Buchempfehlung
Ausführliche Informationen u. a. zum Thema Symbiose ist im Buch „Angst – Ursprung und Überwindung“, 6. Auflage, von Holger Bertrand Flöttmann, erschienen im Kohlhammer Verlag (Amazon Deutschland), zu finden.

Soziopathie / Soziopathen

Noch einen interessanten Hinweis auf die Vorspiegelung einer Seelenverwandtschaft fand ich im Buch „Der Soziopath von nebenan“ von Martha Stout, Springer Verlag (Amazon Deutschland). Wie die Autorin schreibt, sind 4 % der Menschen als Soziopathen einzustufen. Die Chance einmal im Leben einem Soziopathen zu begegnen ist daher groß. Soziopathen sind Menschen ohne Gewissen und ohne Veranwortungsgefühl für andere, sie sind nicht empathisch und wissen auch nicht was Mitgefühl und Liebe sind und sie sind unfähig so etwas wie Schuld, Scham oder Reue zu empfinden.

Soziopathen neigen dazu, wenn sie ein „Opfer“ ausgemacht haben, es so darzustellen als wäre man sich in allem unglaublich gleich, sie sprechen oft von Seelenverwandtschaft und neigen auch dazu, sofort ein sexuelles Verhältnis eingehen zu wollen. Sie sind anfangs die nettesten Menschen, sehr charmant bis charismatisch, verführerisch und einnehmend. Sie haben früh gelernt, Gefühle nur vorzutäuschen.

Soziopathen zu erkennen, ist sehr schwierig. Wenn aber jemand mit extremen Schmeicheleien arbeitet und dazu ständig versucht von anderen Menschen bemitleidet zu werden bzw. sich als „ich-bin-immer-das-Opfer“ darstellt – dann sollte man laut Martha Stout schon sehr vorsichtig sein.

Weitere Hinweise auf Soziopathie sind u.a. egozentrisches, nur die eigene Befindlichkeiten und persönlichen Bedürfnisse in den Vordergrund stellendes Verhalten, sowie ausgeprägte Hypochondrie, mitunter hochriskanter Lebensstil (= der besondere „Kick“ wird gebraucht) und auch ein Leben auf Kosten und Nutzen anderer Menschen (parasitäres Verhalten). Soziopathen sind drogen- und alkoholgefährdet, sie empfinden über weite Strecken in ihrem Leben Langeweile und in letzter Konsequenz sind sie selbstzerstörerisch.

Als einziges probates Mittel empfiehlt M. Stout bei Kontakt mit einem Soziopathen den sofortigen Kontaktabbruch.

Soziopathie ist lt. Martha Stout, die unterschiedliche langjährige Studien zitiert, bis zu 50 % angeboren, also genetischer Ursache und wie durch Untersuchungen nachgewiesen, funktionieren Gehirne von Soziopathen auf emotionale Reize anders als normal. Lebensumstände, Familie und Kultur fördern oder mildern das soziopathische Verhalten.

Martha Stout bezeichnet Soziopathen als Menschen die ausserhalb jeden Gesellschaftsvertrages stehen. Soziopathie scheint nicht therapierbar zu sein.

Narzissmus / Narzissten

Bewusstsein ist Bewusstheit.
Bewusstheit ist Aufmerksamkeit.
Aufmerksamkeit ist Präsenz und Wahrnehmen.

Menschen, die ihr Bewusstsein nur auf die eigene Person, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse ausrichten, sind nicht in der Lage ihre Aufmerksamkeit und Präsenz auch auf andere Menschen zu richten. Ihr Fokus ist zentriert auf das eigene Ego und sie scannen ihre Umgebung ausschließlich danach ab, wo irgendjemand ist, der für die eigene Bedürfnisbefriedigung (welcher Art auch immer) greifbar bzw. zu (be)nutzen ist. Dafür haben narzisstische Menschen sehr gute Antennen und sie scheuen sich nicht, jedes Mittel einzusetzen um ihre egoistischen Ziele zu erreichen.

Was sie dadurch anderen Menschen antun, ist ihnen überhaupt nicht klar. Sie sehen ja immer nur die eigene Person weil ihr Bewusstsein und damit ihre ganze Aufmerksamkeit ausschließlich auf sich selbst gerichtet ist. Sie haben keine Empathie, kein Mitgefühl und keine Wahrnehmung der Bedürfnisse anderer Menschen sowie des großen Ganzen. Sie leben nach dem Motto „Alles und jeder hat MIR zu dienen“.

Narzissten sind somit, was andere Menschen und das soziale Gefüge des Zusammenlebens in einer Gesellschaft betrifft, im wahrsten Sinn des Wortes BEWUSST-LOS.

Unsere Welt wird, das ist mittlerweile als Tatsache erwiesen, immer narzisstischer. In der Begegnung mit einem anderen Menschen auf eine narzisstische Persönlichkeit zu treffen, ist somit groß. Die erste Phase ist geprägt vom sogenannten LOVE BOMBING. Der Narzisst macht die unglaublichsten Komplimente, die man zuvor noch von keinem anderen Menschen in solcher Intensität (und scheinbarer Glaubwürdigkeit) je gehört hat. Der Narzisst spricht auch sehr gerne von Seelenverwandtschaft, davon noch nie einen anderen Menschen getroffen zu haben, der ihn so erfüllt, ihm so nahe ist, der ein Teil von ihm selbst ist …

Leider dient dieses Love Bombing nur dem Selbstzweck des Narzissten, der sein Opfer unter seine geistige und emotionale Kontrolle bringen will. Was ihm in der Regel auch gelingt.

Hier in Kürze 10 Anzeichen, dass man einem Narzissten begegnet ist, vieles deckt sich auch hier mit den „Symptomen“ einer Seelenbegegnung.

You Tube dieses kleine Video fasst die wesentlichen Punkte sehr gut zusammen.

Eine Buchempfehlung: „Die Narzissmusfalle“ von Reinhard Haller, Eco.vin Verlag, Amazon Deutschland.

Energievampire

Auf der Webseite Energievampire.com  liegt der Schwerpunkt der angebotenen Informationen auf den energetischen Auswirkungen eines Kontaktes, einer Beziehung mit einem Narzissten, Soziopathen, Borderliners bzw. Psychopathen. 

Wie ich auch schon in Büchern und auf anderen Webseiten lesen konnte, brauchen diese Menschen die Energie von anderen, die sie sich über verschiedene Wege holen. Sie selbst sind nicht imstande, sich zu nähren, nur können diese Menschen mit der Energie der Anderen nicht wirklich etwas anfangen, diese verschwindet in tiefen Abgründen, nutzlos. Wenn in einer Beziehung keine „Energie“ (in welcher Form auch immer) mehr zu holen ist, wenden sie sich anderen Opfern zu.

Ich kann diese Webseite nur empfehlen!

 

Esoterik

Hier ist die Palette groß und natürlich in ihrem Wahrheitsgehalt nicht wirklich nachvollziehbar bzw. überprüfbar. Ich möchte daher nur der Vollständigkeit halber einige Punkte aufzählen, die uns mit anderen Menschen verbinden können, die aber trotz starker Anziehungskraft und dem Gefühl des schon lange Kennens, keine wirklichen Seelenbegegnungen sind.

Diese Gründe sind häufig in alten karmischen Geschichten zu suchen, die aus vergangenen gemeinsamen Leben resultieren:

  • frühere Beziehungen die nicht gelöst wurden
  • unerledigte Aufgaben die uns mit diesem Menschen noch verbinden
  • Abhängigkeit und Symbiose die nicht gelöst wurden
  • Lektionen die wir noch lernen müssen
  • Verpflichtungen die wir eingegangen sind und nicht gehalten haben
  • Anhaftungen an gegenseitiges Unglück oder Glück
  • Verträge und Versprechen
  • Liebe und Hass
  • Rachegelüste, die uns wieder zu dieser Person hinführen
  • alte Schuldgefühle
  • Kreis aus Opfer und Retter aus dem wir nicht ausgestiegen sind
  • Macht und Kontrolle
  • Betrüger und Betrogener
  • Verführer und Verführter
  • usw. usw.

Ist unsere Entschlossenheit, um jeden Preis weiterzumachen, wirklich ein Maßstab dafür, wie sehr wir lieben?
Pauline Stone

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass, wenn alte Bindungen weiter bestehen geblieben sind, wir eine besondere Anziehungskraft zu einem anderen Menschen verspüren.

Es muss nicht immer eine Seelenverwandtschaft sein!

Wie auch immer wir persönlich zum Thema Reinkarnation / Wiedergeburt, Karma usw. stehen, es ist und wird uns immer von Vorteil bereits in diesem Leben sein, wenn wir sein lassen können, wenn wir vergeben, wenn wir jede Art von Versprechen und von Verträgen auflösen, wenn wir verzeihen. Je leichter unser „Reisegepäck“ ist, umso leichter werden wir es haben und umso glücklicher und freier werden wir sein.

Wenn Du mich lieben musst, dann soll es nur der Liebe wegen sein.
Elizabeth Barrett Browning

4 Antworten

  1. Verena
    Verena
    28. September 2016 at 22:41 | | Antworten

    Dass egoistische Menschen nur an „sich“ denken,ist nicht wahr.Sie identifizieren sich ja mit ihrem Ego und das Ego ist nicht unser wahres Ich…
    Außerdem finde ich die Aussage,dass 4% aller Menschen oder so „Soziopathen“ sind,auch etwas merkwürdig,denn jeder hat ein Ego…

  2. Hallo (männlich)
    Hallo (männlich)
    5. August 2014 at 14:02 | | Antworten

    Ich bin im Januar mit einer Frau zusammengekommen, bei der ich das Geühl hatte seelenverwandt zu sein. Die Frau hat mich ganz nah an sich rangezogen, emotional und körperlich, so dass ich das Gefühl hatte mit ihr zu verschmelzen. Es war das Schönste was ich jemals in meinem Leben empfunden habe. Bin jetzt fast 40 und habe meine Frau vor etwas über 2 Jahren verloren (Krebs). Wir waren ca. 11 Jahre zusammen. Diese Frau hat mich aber immer wieder ganz doll weggeschoben und auch nie wirklich in ihr Leben reingelassen. Ich bin psychisch jetzt total am Ende, die Frau lässt mich gar nicht mehr in ihre Nähe, ausser ab- und zu telefonieren und jeder Tag ist ein Kampf, da der Wunsch nach ihrer Nähe übermenschlich gross ist. Es zerreisst mich innerlich und ich habe das Gefühl verrückt zu werden. Vorher war ich ziemlich zufrieden. Es ist unglaublich was psychisch Kranke mit Einem machen bzw. Borderliner oder Ähnliches…

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