Ich habe die ganze Welt auf der Suche nach Gott durchwandert und ich habe ihn nirgendwo gefunden.
Als ich wieder nach Hause kam, sah ich ihn an der Tür meines Herzens stehen,
und er sprach:
“Hier warte ich auf Dich seit Ewigkeiten”.
Da bin ich mit ihm ins Haus gegangen.
Rumi
In letzter Zeit häufen sich Seelenbegegnungen. Leider mehren sich aber auch die irrtümlich als Seelenverwandtschaft eingestuften Begegnungen. Mag sein, es ist “in” eine Seelenbegegnung zu haben oder es ist Wunschdenken, man ersehnt sich den besonderen Partner und in dieser Erwartungshaltung übersieht man so manches was eigentlich stutzig machen sollte.
Betonen möchte ich aber, dass auch unechte Seelenbegegnungen sehr belastend und schmerzhaft verlaufen können. In jedem Fall handelt es sich um intensive zwischenmenschliche Kontakte.
Die Informationen auf dieser Seite richten sich an diejenigen Leser,
- die einen (scheinbar?, erhofften?, ersehnten?) seelenverwandten Menschen getroffen haben und nach einer beinahe unvorstellbaren Phase des Glücks nun vor einem Trümmerhaufen stehen und keinerlei Erklärung für das nicht zu verstehende Verhalten des anderen haben
- die auch nach vielen Jahren ohne jeden Kontakt diese eine Person lieben und die Antworten auf die quälende Frage nach dem “warum” suchen bzw. nie erhalten haben
- die Gründe für das Scheitern dieser Begegnung bei sich selbst suchen, auch wenn sie sich keinerlei Schuldverhaltens bewusst sind
- die nicht verstehen können, warum diese eine Person und deren Verhalten solchen Schmerz auslösen hat können
Weitere Irrtümer bezüglich Seelenverwandtschaft
sind u. a. Symbiose = symbiotisch gebundene Menschen / Soziopathie / und allerlei Esoterisches
Borderline? oder Seelenverwandtschaft?
Die Informationen zum Thema Borderline habe ich der Webseite www.borderlinezone.org entnommen. Die Webseite ist umfassend und lässt keine Facette des Persönlichkeitsbildes Borderline aus. Ich gebe die dort gefundenen Informationen hier in allerkürzester Form und mit meinen eigenen Worten wieder. Ich beschränke mich, so weit dies möglich ist, auf die Auswirkungen dieser Persönlichkeitsstörung auf den zwischenmenschlichen Kontakt. Wer sich umfassend informieren möchte, dem empfehle ich, die erwähnte Webseite zu durchforsten. Ein Dank gilt an die Betreiber dieser Webseite, die sicher vielen Menschen damit geholfen haben.
Eine weitere, ausführliche Webseite, die aber “sanfter” mit den Thema Borderline / Borderline und Beziehungen umgeht, findet sich hier.
Fachinformation zu diesem, in letzter Zeit immer aktueller werdenden Thema, gibt es auf der Webseite www.psychosoziale-gesundheit.net von Prof. Dr. med. Volker Faust (Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie).
Ein weiterer, sehr guter Text mit umfassender Information zum Thema Borderline findet sich auf http://soziologist.blogspot.com/2011/01/borderline.html
Liebe
Wir alle sind auf der Suche nach Liebe, vielleicht sogar nach DER Liebe. Viele von uns suchen in einer Beziehung tiefe Vertrautheit, Nähe, Intimität des Geistes und der Seele, wir wünschen uns “angekommen zu sein”, suchen den idealen Partner, die Einheit.
Die Sehnsucht nach einer friedvollen Welt, nach einem Zusammenleben zum höchsten Wohle aller, das Streben nach einem hilfreichen Miteinander, das für einander da sein, das kennen im besonderen Menschen die hochsensitiv sind und die dadurch auch oft die Anlaufstelle für Menschen in schwierigen Situationen sind. Die Hochsensibilität verstärkt auch generell die Wahrnehmungen und die Reaktion auf Reize. (Andere Bezeichnungen sind: hypersensibel / Hochsensibilität / Hochsensitivität / Hypersensibilität oder Überempfindlichkeit = HSP).
Diese Sehnsucht nach Liebe, nach Frieden ist auch das, was Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeit antreibt. Auch sie sehnen sich danach DIE Liebe zu finden, DEN Menschen, der alles für sie ist, sie sehnen sich danach “angekommen zu sein”, ihre Suche einstellen zu können. Sie sind sehr empfindsam und wenn sie lieben, dann lieben sie tief und abgründig. Allerdings ist ihr Haß und ihre Wut desgleichen tief und abgründig.
Mag sein – dieses Thema ist nicht erforscht, aber es werden Zusammenhänge vermutet – dass HSP und Borderlinepersönlichkeiten sich vermehrt “finden”.
Warum Berührungspunkte?
Warum gibt es diese Berührungspunkte zwischen dem Gefühl einen Seelenverwandten getroffen zu haben und einer Borderline-Persönlichkeit? Die Antwort darauf fand ich auf der oben erwähnten Webseite. Jeder Mensch trägt in sich sein Urbild, hat ein inneres Bild von sich selbst. Dieses Urbild fehlt bei einer Borderline-Persönlichkeit oder ist nur in Fragmenten vorhanden. Diese Menschen erfüllen nun für andere alles was für eine Projektion der unbewussten Wünsche notwendig ist. Sie sind ein unbeschriebenes Blatt, eine weiße Leinwand und können blitzschnell alles für einen anderen Menschen sein.
Mit anderen Worten: es gibt Menschen, die haben kein komplettes ICH, sondern nur Ich-Fragmente. Diese Menschen bieten anderen die perfekte Projektionsfläche für das eigene Ich und seine Vorstellungen an = das ergibt den Eindruck von seelenverwandt, man sieht sich selbst im Du. Borderlinepersönlichkeiten identifizieren sich vollkommen mit dem anderen Menschen, natürlich nur solange die Phase der Symbiose andauert.
Diese Projektion einerseits bzw. die total Identifizierung andererseits sowie auch das nahtlose Andocken der Borderline-Persönlichkeit an die geliebte Person ist der Grund, warum man das Gefühl bekommt, diesen anderen Menschen seit Ewigkeiten zu kennen, daraus entspringt das Gefühl von tiefer Vertrautheit. In der Spaltung / Trennung allerdings erlebt man tiefste Verzweiflung und das Empfinden als ob ein Teil der eigenen Persönlichkeit, ein Teil der eigenen Seele stirbt.
Borderline in Beziehungen
Eine Borderlinepersönlichkeit hat keine klare Unterscheidung zum “Du”, er unterliegt einer Täuschung und übernimmt sein Gegenüber in sich selbst, er wird zum “Du”. In dieser Phase wird die totale Symbiose erlebt und gelebt. Am Beginn bietet so eine Begegnung unglaubliche Höhepunkte und tiefe Berührungen, mitunter mit starker Leidenschaft. Doch eine Begegnung mit einer Borderline-Persönlichkeit ist eine Kurzzeit-Begegnung, hat ein Ablaufdatum und endet meist im Chaos und im Leid. Es kommt zur Spaltung.
Die Borderline-Persönlichkeit fühlt sich sehr bald eingeengt und kontrolliert und dann kommt die Angst vor dem “verschlungen werden” schlagartig zum Tragen. Es kann sein, es kommt eine liebevolle SMS und wenn man zurückruft, reagiert die Borderline-Persönlichkeit Minuten später eiskalt und mit brutalen Worten.
Die Ängste einer Borderline-Persönlichkeit sind:
- die Angst vor dem Verschlungen werden, obwohl er die Symbiose sucht,
- die Angst vor dem Verlassenwerden, obwohl er immer wieder Distanz herstellt,
- und die Angst vor seiner eigenen inneren Leere.
Diese Ängste führen zu inneren Anspannungen und zu Aggression, gerichtet auf die Person, die so sehr geliebt wird.
Als absolutes Kennzeichen einer Begegnung mit einer Borderline-Persönlichkeit ist die Instabilität der Emotionen. Was jetzt in diesem Moment von einer Borderline-Persönlichkeit gefühlt und ausgedrückt wird, hat keine Dauerhaftigkeit, darauf ist kein Verlass. Stunden später, morgen – ist möglicherweise alles anders. Die geliebte Person wird abgewertet, der Kontakt abgebrochen. Die verlassene Person weiß meist überhaupt nicht, warum. Sie hat keine Erklärung. Sie weiß nicht, was sie selbst falsch gemacht haben könnte.
Und in der Regel muss man auch damit zu leben versuchen. Denn eine Borderline-Persönlichkeit hat eine verzerrte Realitätswahrnehmung, erlebt ausschließlich die eigene Wahrheit, da das Gegenüber nicht ganzheitlich wahrgenommen werden kann. Versuche, eine Situation zu besprechen, zu reflektieren, zu klären, sind somit zum Scheitern verurteilt. Letzten Endes ist immer alles falsch was man noch glaubt versuchen zu müssen um die Beziehung zu retten.
Die Mechanismen
Vorausgeschickt muss gesagt werden, dass es die unterschiedlichsten Borderline-Persönlichkeiten gibt. Diese unterscheiden sich in ihren Reaktionen und ihren Bedürfnissen an zwischenmenschliche Kontakte. Auch gibt es unterschiedlich stark ausgesprägte Verhaltensweisen, sehr oft kombiniert mit Störungen aus anderen Bereichen.
Für alle aber gilt:
- schwarz – weiß Denken
- wenig Impulskontrolle
- emotionale Instabilität
- Verlangen nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung
- wenig Empathie (außer in der Phase der Symbiose)
Suchtverhalten?
Wie in Geschichten von Seelenbegegnungen immer wieder zu lesen ist, ist, dass Betroffene von Suchtverhalten sprechen. Sie sind süchtig nach Kontakt, nach einem lieben Wort, einer kleinen SMS, irgendeinem Lebenszeichen. Dieses Suchtverhalten wird auf der Webseite www.borderlinezone.org sehr gut beschrieben.
Besonders in der symbiotischen Phase einer Borderline-Beziehung in der wir uns mit dem anderen als EINS fühlen, werden verstärkt glücklich machende Hormone ausgeschüttet (Dopamin, Serotonin, Noradrenalin etc.). Diese docken im Belohnungssystem des Gehirns an. Wenn es zur Spaltung und Trennung kommt, dann fallen die Glückshormone aus und werden ersetzt durch Stress verursachende Hormone (Adrenalin, Cortisol). Wir stürzen ins Bodenlose und der Körper verlangt sofort wieder nach einer Dosis Glückshormone, die, wie wir gelernt haben, uns diese eine Person geben kann. Damit ist der Teufelskreis aus Sucht und Abhängigkeit gegeben. Die Borderline-Persönlichkeit hat nun Macht über uns erlangt, sie dosiert unser Glück und unsere Verzweiflung, sie bestimmt die Länge der symbiotischen und der Abspaltungsphasen.
Symptome in der Trennungsphase können sein: Schlafstörungen, fehlender Appetit, Erbrechen und Durchfall, Depressionen, Konzentrationsstörungen, Verspannungen, Kopfschmerzen, Gereiztheit, erhöhte Infektanfälligkeit (durch gestresstes Immunsystem), Suizidgedanken u.v.a.m.
Da eine Borderline-Persönlichkeit nur zwei Extreme kennt (nämlich gut / Symbiose / Erhöhung – und auf der anderen Seite – böse / Abspaltung / Trennung), gibt es auch für den Partner nur die Möglichkeit, sich möglichst schnell von der Borderline-Persönlichkeit zu distanzieren, zu gehen – oder aber – zu wissen, dass niemals eine ganz normale zwischenmenschliche Begegnung mit allen kleineren und größeren Unebenheiten, mit allen Graustufen und allen Facetten gelebt werden kann. Das Leben und die Begegnung mit einer Borderline-Persönlichkeit ist und wird immer eine Gratwanderung zwischen Liebe und Hass, zwischen Idealisierung und brutaler Abwertung, zwischen Himmel und Hölle sein.
Erkenntnis
Die Erkenntnis, die wir ziehen sollten, kann nur sein: wie auch immer so eine Begegnung abläuft
Lasst uns Verständnis und Mitgefühl mit jedem Menschen haben, der durch die Last seiner frühkindlichen Traumen schwer durchs Leben kommt.
Aber auch mit jedem, der durch einen traumatisierten Menschen selbst seine Traumen erlebt.NIEMAND HAT SCHULD

Einen schönen guten Morgen.
Vielen Dank für die exakte Beschreibung von Borderlinern. Mein letzter Partner ist Borderliner und nun mein Ex. Ich kenne die Auswirkungen von beiden Seiten. Es gibt auch Linderung und Integration, wenn man das selbst will. Mein erster Schritt war: Mich mit meiner Persönlichkeit intensiv zu befassen, nachdem ich alles ganz und gar verloren hatte und ich mich für mich zwischen Leben und Tod entscheiden musste. Heute bin ich zwar wieder/ immer noch solo, doch mein jetziger Ex hat mir auch zeigen können, wie verzweifelt ich damals gewesen sein muss. Mit anerkennen der eigenen Störung kommt die Besserung, man man selbst bereit ist. Ich sende einen Gruß an alle Betroffenen und deren Angehörige. Nea
Vielen Dank für den Hinweis auf unsere Seiten, die auf den verstorbenen “Kronos” zurückgehen.
Ich möchte den Hinweis gerne ergänzen um den Tipp, dass wir auch ein sehr lebendiges Forum betreiben, das sich als Selbsthilfegruppe versteht.
Dort sind überwiegend (Ex-)Angehörige unterwegs und solche die es werden wollen.
LG HugoAd
Vielen Dank für diese wertvollen und wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann, wahrhaftigen Zeilen:
ich selbst habe am Ende mit einer BorderlinePersönlichkeit und der für mich “großen Liebe” formuliert: “Ich bin in dir verschwunden, ich hab mich in dir nicht mehr gefunden….”!- zur Zeit dieser Begegnung war der junge Mann 18 Jahre und ich 49! = und die Trümmer nach 3 Jahren endeten mit einem Burn out meinerseits -
(allerdings führte mich die Frage zu forschen, was da denn bloß h i n t e r dieser unbeschreiblichen Anziehung steht, in die vergangener gemeinsamer Leben: und dies waren 80 % )
Freundlichen Gruß
Was für ein Glück, auf dieser Seite gelandet zu sein… obwohl ich meine achtjährige Ehe mit einem “Borderline-Mann” schon oft reflektiert habe, kamen hier noch einige Aha-Momente dazu! Und hat mir meine langsam und mühsam gewonnene Erkenntnis nochmals bestätigt, dass keineswegs die Schuld in meinem Unverständnis lag… so wie mir immer wieder eingeredet wurde.
Leichter wurde alles, als mir – bereits nach meiner Trennung – vor dem Abschlussgespräch mit der Familientherapeutin gesagt wurde… von ihr gesagt wurde, sie würde am liebsten in Richtung borderline gehen.
Die Jahre danach habe ich Stück für Stück die Puzzleteile vor dem Hintergrund einer Borderline-Persönlichkeit neu zusammen gesetzt.
Plötzlich wurde alles stimmig….
Nun kamen hier noch einige Aspekte hinzu. Wunderbar, dankeschön!
Alexandra Heinrich